| Schiff | SY Meta |
| Reise | Auszeit: Die große Ostseereise 2026 |
| Start | Segler-Vereinigung Cuxhaven e.V. (Cuxhaven, DE) · 2026-07-24T05:16:25.604Z Uhr |
| Ziel | Yachthafen Wangerooge (Wangerooge, DE) · 2026-07-24T17:43:51.938Z Uhr |
| Datum | 07/24/2026 |
| Strecke | 46.12 sm |
| Crew | Jörg Schubert (Skipper), Andrea Schubert (Crew), Emil Schubert (Crew) |
Zwischen Himmel und Hölle liegen knapp 50°
Morgens, halb acht in Cuxhaven. Auf dem Weg zur Bootstanke. Angelegt, Tankdeckel auf – und “Schei..”.
Der Tag ging schon gut los: Der Tankdeckel war – bisher jedenfalls – mit einer Kette gesichert. Man konnte ihn also nicht abnehmen und weglegen, sondern er baumelte neben dem Einfüllstutzen am Heckspiegel.
Diesmal machte er sich davon, schlug auf der Wasseroberfläche auf und ging ohne langes Zögern auf Grund. Das einzige was von ihm blieb, war ein winziger Farbfleck auf der Wasseroberfläche, wohl von einem anhaftenden Tropfen Dieselöl. Der Rest der Tankprozedur war dann eher problemlos, genau 20 Liter wanderten für ziemlich genau 50 EUR in den Tank. Gut, dass dies eine Segelyacht ist und man somit nicht nur auf den goldenen Saft angewiesen ist.
Dann der nächste kleine Tiefschlag: An der Tanke gibt es eine Absaugstation für Fäkalien. Manche Häfen haben sowas, man kann damit den Fäkalientank am Schiff leersaugen.
Hier in Cuxhaven offenbart sich dann aber leider urdeutsche Denke: Wir räumen nur den Dreck unserer Kunden weg und keinen anderen. Zur Aktivierung der Pumpe benötigt man eine Keycard des Hafens. Die hat man noch nicht, wenn man in den Hafen kommt. Die hat man nicht mehr, wenn man den Hafen wieder verlässt.
Man hat also keine Chance die Pumpe bei den vermutlich sinnvollsten Gelegenheiten zu nutzen. Einen bereits eingecheckten Liegeplatz zu verlassen um seinen Tank leersaugen zu lassen, ist in einem Hafen, der wahrscheinlich überwiegend Kurzbesucher empfängt, irgendwie keine gute Lösung. Was soll sowas? Warum nicht eine offen verfügbare Pumpe? Glaubt wirklich ernsthaft jemand, dass dann nur noch “Wildpumper” den Hafen anlaufen?
Nach diesem Zwischenstopp ging es dann gut eine Stunde vor Hochwasser raus auf die Elbe. Der Wind blies uns vehement entgegen, die angesagten 8-10 Knoten Wind aus West-/Nordwest stimmten nur der Richtung nach – allerdings doppelt so stark wie angekündigt. Der erfahrene Skipper weiß was das bedeutet: Es wird ungemütlich.
Zunächst ging es noch, denn die Flut lief mit dem Wind auf. Die Fahrt war unendlich langsam, aber glatt. Das drehte sich, als der Strom kippte: In solchen Windverhältnissen entsteht bei der Fließrichtung der Elbe in Richtung West / Nordwest eine Wind-gegen-Strom Situation: Der Wind weht gegen die Strömung, kurze, steile Wellen bauen sich auf.
Ein Schiff, das sich in Fließrichtung bewegt, prallt immer wieder gegen diese Wellen, taucht in das Wellental, bohrt sich in die nächste Welle, wird angehoben und knallt dann in das darauffolgende Wellental. Zwei kleinere Wellen später ist dann wieder Marschgeschwindigkeit erreicht, noch ein paar Wellen später das gleiche Spiel von vorn. Nicht einmal, nicht zehnmal, hunderte Male auf der Strecke bis in die Weser-Mündung.
Mit unserer Bavaria, die ohnehiin unter Motor nicht gut vorankommt, waren diese knapp 22 Sm unter Maschine eine gefühlt nicht enden wollende Qual. Es war echt das erste Mal auf diesem Schiff, dass ich, der Skipper, mir gewünscht habe, aussteigen zu können. Andrea war flau und spürte die Seekrankheit, Enkel Emil war ebenfalls verdächtig ruhig – er schlief dann, eingehüllt in eine warme Decke, aber selig auf der Cockpit-Sitzbank. Ich selbst merkte auch aufkeimende Übelkeit, konnte sie aber mit etwas Nahrung und Rudergehen im Stehen erfolgreich niederkämpfen.
Die Wende
Dann kam die Wende, sogar buchstäblich: Wir drehten von Kurs 270° auf 220°, der Wind kam mit segelbaren 35° auf’s Schiff zu, die Segel gingen hoch und Ruhe war’s. Diese knapp 50° machen den Unterschied zwischen Himmel und Hölle, jedenfalls für den buckelpistengeplagten Segler. Die Welle kam seitlicher, das Stampfen hörte auf, die Bavaria wurde nur noch angehoben und senkte sich wieder in’s Wellental, ohne krachend in es hineinzutauchen. Wir nahmen Tempo auf und das blieb dann auch mal eine Weile konstant.
Als dann auch noch die Sonne rauskam, waren die 20 Sm vom Tagesbeginn ganz schnell Geschichte und beinahe vergessen. Wir konnten danach noch gut 12 Sm am Stück segeln, bevor das wieder einlaufende Wasser uns bremste und uns einen zu steilen Kurs aufzwang, denn der Flutstrom drängte uns in Richtung der Küste – der Beginn des “Schlangenpfades” zum Hafen Wangerooge liegt aber ein gutes Stück vor der Küste im Bereich der Lücke zwischen Wangerooge und Spiekerooge. Da musste der Motor wieder mithelfen, denn kreuzen war keine Option, sollte uns nicht das demnächst dann wieder ablaufende Wasser erwischen.
Kurz vor erreichen der Einfahrt in das Fahrwasser rief dann Thomas an, der aufgrund permanenter Motorfahrt eine gute Stunde Vorsprung rausgefahren hatte. Er wies auf die echt beeindruckenden Brecher hin, die – mit weißen Schaumkronen verziert – auf Wangerooge zurollten. Und wir mussten da durch oder genauer, daran vorbei, aber irgendwie mittendrin.
Sein Vorschlag weiterzufahren nach Norderney fand aber keinen begeisterten Zuspruch bei uns an Bord, denn das hätte bedeutet, weitere 30-35 Sm abzufahren, meist unter Motor, weil die Höhe (also der Winkel zum Wind) für’s segeln nicht mehr passte. Ankunftszeit wäre zudem ca. 23:30 Uhr gewesen, auch nicht eben reizvoll erneut bei Dunkelheit das weitgehend unbefeuerte Fahrwasser nach Norderney anzulaufen.
Er hat es dann selbst eingesehen und rief erneut an, diesmal mit der Ankündigung nun in das Fahrwasser nach Wangerooge einzubiegen. Es hat auch alles geklappt: Wir selbst sind gut 2 Stunden vor Hochwasser in das Fahrwasser eingebogen. Beim ersten Mal waren wir früher unterwegs, diesmal stand überall ausreichend Wasser über den Hochs (mindestens 3 m Wassertiefe überall). Die Compaan lag dann schon im Hafen, wir konnten längsseits festmachen und den Tag bei einem Teller Dosensuppe und einem Anlegerbierchen ausklingen lassen.
Wir bleiben mindestens mal bis Sonntag auf Wangerooge, wahrscheinlich aber bis Dienstag, da dann ein passendes Wetterfenster für den Ritt nach Norderney angekündigt ist. Da wir erst am Samstag in Emden sein müssen, passt diese Pause auch zeitlich. Einziger Nachteil von Wangerooge: Der Ort und damit auch die Einkaufsmöglichkeiten ist 5 km entfernt. Man kann aber die Inselbahn benutzen, auf dem Weg in den Ort sogar kostenlos.



















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3 Responses
Die Fahrt nach Wangerooge hört sich schon etwas wild an. Selbst ein Begeisterter Segler braucht man das anscheinend nicht.
Wangerooge ist toll und am Strand im Café Pudding zu sitzen ist empfehlenswert.
Moin Ulli,
nein, nein: Die Fahrt nach Wangerooge ist schon sehr ok. Auf dem Hinweg war es echt super problemlos, bis auf die kleineren Herausforderungen, die ein völlig unbekannter Hafen immer dabei hat. Die Besonderheit gestern war vor allem die echt ruppige Fahrt von Cuxhaven die Elbe hinab in die deutsche Bucht. Die Anfahrt auf die Insel selbst war wieder ganz ok, von ein paar schiebenden Wellen einmal abgesehen.
Das Café Pudding werden wir dann heute Nachmittag mal antesten. Beim letzten Mal haben wir mitten auf der Straße auf einem blauen Sofa gesessen. Hat mir auch prima gefallen!
Cuxhaven ist halt die Stadt der Strandpiraten. Meine Mama und meine Geschwister haben dort lange gelebt und sich immer wieder über die Geldscheffel-Praktiken der „Eingeborenen“ aufgeregt – in diesem Falle heißt die Technik: „Aus Kacke Gold machen“…
Ich wünsche euch weiterhin gute Fahrt ⛵️
VLG
Frauke