Damit ein digitales Logbuch im Falle einer Havarie oder eines Versicherungsstreits als Beweismittel anerkannt wird, muss es bestimmte Kriterien erfüllen, die über eine bloße Notizensammlung hinausgehen. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt: Ein Logbuch ist ein Urkundendokument.

Hier sind die wichtigsten Regeln und Tipps, wie du ein digitales Logbuch rechtssicher führst:

1. Die Unveränderlichkeit (Revisionssicherheit)

Das ist der kritischste Punkt. Ein Word-Dokument oder eine einfache Notiz-App reicht oft nicht aus, da Einträge nachträglich unbemerkt gelöscht oder geändert werden können.

  • Zeitstempel: Das System muss protokollieren, wann ein Eintrag erstellt wurde.
  • Kein “Löschen”: Korrekturen sollten wie im Papierlogbuch als Streichung erkennbar sein, anstatt den ursprünglichen Text einfach zu überschreiben.
  • Export: Viele Apps bieten einen “Daily PDF Export” an. Wenn du diesen am Ende des Tages generierst und ggf. digital signierst, erhöhst du die Beweiskraft enorm.

2. Mindestanforderungen an den Inhalt

Egal ob digital oder analog – laut internationalem Seerecht (SOLAS) und nationalen Vorschriften müssen folgende Daten regelmäßig erfasst werden:

  • Schiffsdaten: Name, Rufzeichen, MMSI.
  • Besatzung: Skipper und Crewliste (wichtig für Versicherungen bei Personenschäden).
  • Zeit & Ort: Aktuelle Position (Koordinaten), Kurs (Kartenkurs/Rechtweisender Kurs) und Geschwindigkeit (Fahrt durchs Wasser/Fahrt über Grund).
  • Wetter: Windstärke, Windrichtung, Luftdruck und Seegang (mindestens alle 4 Stunden oder bei Wetteränderung).
  • Vorkommnisse: Segelwechsel, Motor an/aus, Passieren von Tonnen/Leuchtfeuern, besondere Vorfälle.

3. Die regelmäßige Führung

Ein Logbuch darf nicht “aus dem Gedächtnis” am Ende der Woche geschrieben werden.

  • Eintragungsintervalle: Bei Küstenfahrt alle 1–4 Stunden, bei Kursänderungen oder bei Manövern (Anker auf, Festmachen) sofort.
  • Backup: Da digitale Geräte ausfallen können, solltest du sicherstellen, dass die App eine Offline-Speicherung hat und die Daten synchronisiert, sobald du wieder Netzempfang hast.

4. Besondere Bedeutung des “Skipper-Kommentars”

Im Falle eines Unfalls interessiert die Versicherung nicht nur die Position, sondern die Entscheidungsfindung.

  • Nutze das Kommentarfeld für Begründungen: “Entscheidung zum Reffen, da Böen bis 6 Bft vorhergesagt” oder “Hafen X angelaufen wegen Unwetterwarnung”. Das zeigt, dass du deiner Sorgfaltspflicht als Skipper nachgekommen bist.

5. Technische Absicherung (Hardware)

Ein digitales Logbuch ist nur so gut wie die Energieversorgung an Bord.

  • Achte darauf, dass das Tablet/Smartphone immer geladen ist.
  • Powerbank oder 12V-Lademöglichkeit am Steuerstand sind Pflicht.
  • Im Idealfall nutzt du ein System, das GPS-Daten automatisch zieht (z. B. via NMEA2000-Gateway oder internes GPS), um Tippfehler bei den Koordinaten zu vermeiden.