| Schiff | SY Meta |
| Reise | Auszeit: Die große Ostseereise 2026 |
| Start | Sportboothafen Norderney (Norderney, DE) · 2026-07-30T08:25:38.843Z Uhr |
| Ziel | Wassersportverein Burkana (Borkum, DE) · 2026-07-30T19:08:37.282Z Uhr |
| Datum | 07/30/2026 |
| Strecke | 42.33 sm |
| Crew | Jörg Schubert (Skipper), Andrea Schubert (Crew), Emil Schubert (Crew) |
Höllenritt nach Borkum und nächtlicher Umzug
Die Wetteraussichten waren schon nicht wirklich gut: Tagsüber durchgehend westliche Winde und – zumindest laut Windfinder – wenigstens bis 11:00 Uhr Böen bis 29 Kts, also 6 Bft. So schlimm war’s dann um die Zeit aber nicht und andere Wetterdienste waren durchaus zurückhaltender. Wir wollten weg aus dem Päckchen, zumal der direkte Nachbar bereits ankündigte, heute mitten in der Nacht gegen 00:00 Uhr abfahren zu wollen. Angesichts der unklaren Wetterbedingungen war die Aussicht, eine weitere Nacht im instabilen 6er-Päckchen zu verbringen, keine gute. Das gesamte Päckchen war in der Nacht um gut 3 m nach Nord vertrieben, weil der Wind aus Westen aufkam und sich alles um die achterliche Landleine des ersten und des dritten Päckchenliegers drehte.
Wir also so gegen 10:40 Uhr los, trotz weiterhin steigenden Wassers. Das ging zwar langsam, aber es war gut, weil zumindest die Fahrt über das Dove-Tief völlig ohne Wind-gegen-Strom-Situation ablief und auflaufendes Wasser hier anscheinend eher von Westen drückt, es also gar nicht gegen uns lief.
Dafür wurde es schlimm, nachdem der Strom kippte. Wind gegen Strom auf der gesamten Strecke in Richtung Westen, Wind auf die Nase. Zwischendurch war es so schlimm, dass wir zwischen den Wellenbuckeln nicht mal mehr auf 2 Kts. Fahrt über Grund kamen. Also Segel raus, aufkreuzen. Platz genug war ja, aber der Raumgewinn gegen die Windrichtung war ernüchternd gering. Der Wind kam uns mit bis zu 22 Kts. entgegen.
Später flaute der Wind etwas ab und er drehte ein wenig nördlicher, wir konnten den Diesel wieder anwerfen und mit stehendem Großsegel zumindest um die 5 Kts. über Grund relativ konstant fahren. Einen Vorteil hatte die geringe Geschwindigkeit: Wir waren pünktlich zu Niedrigwasser am Riffgatt und konnten mit auflaufendem Strom die Ems erklimmen. Gegen 20:40 Uhr lagen wir dann in der Box im Port Henry, denn der Burkana-Hafen hatte auch schon wieder 6er-Päckchen zu bieten. Und genau hier begann das Problem!
Niedrigwasser war gegen 19:10 Uhr. Wir kamen in die Box und steckten fest. Nicht sehr fest, wir rutschten über den Schlick und standen in der Box. Erstmal alles gut, wir hatten Feierabend und konnten Abendessen einwerfen. Nach einem kleinen Erkundungsgang war uns klar, in diesem Hafen sind nicht nur die Stege eine Ruine, sondern auch die Elektroinstallation würde jeden halbwegs verantwortungsvollen Elektroinstallateur das Panik “P” auf’s Anlitz zaubern. Nur wenige Steckdosen, mit normalen Schuko-Steckern. Alle adaptiert, einige gedoppelt. Das alles in windschiefen Stromkästen, die ihren Namen kaum verdienten. Kurz und schlecht: Wir bekamen keinen Strom und unser Panel zeigte bereits einen Spannungsabfall auf weniger als 10,6 Volt, mit anderen Worten “LEER”.
Wir hatten zwar beinahe den ganzen Tag motort, aber es scheint, als dass der Generator (Lichtmaschine) unsere Verbraucherbank aus 2 x 100 aH LiFePo (Lithium Eisen Phosphat) Akku’s nicht lädt. Aufgrund der Fahrt von Wangerooge nach Norderney, der Nacht im Päckchen ohne Strom und der Tagesfahrt von Norderney nach Borkum waren die Akkus am Ende. Klingt etwas merkwürdig, aber es kann gut sein: Es läuft der Bord-PC, der Kühlschrank, die Navigation und der Autopilot. Nachts dann noch die Wasserpumpe und das Laden der Smartphones etc. Da kommt was zusammen. Das zu kleine und aufgrund des Installationsortes auf der Sprayhood etwas ineffiziente Solarpanel, konnte aufgrund mangelnder Sonneneinstrahlung auch nicht nennenswert zur Erhaltung der Batterieladung beitragen.
Dann war Nacht und unser Enkel Emil bekam eine Heimweh-Attacke. Verständlich, nach inzwischen fast 2 Wochen an Bord. Der heutige Tag war auch nicht eben kindgerecht, daher war sein Kummer absolut verständlich.
Der Skipper war nun erstmal wach und dachte nach: Wir waren etwa um 20:40 Uhr fest und Niedrigwasser war um 19:10 Uhr. Der Tiedenstand hatte also – zieht man gut 30 Minuten Stillwasser ab – gut eine Stunde ansteigen können, als wir in die Box fuhren. Überschlägig nach der sechstel Regel wären das mindestens mal 20 cm, die uns beim nächsten Niedrigwasser unter dem Kiel fehlen würden. So weit sinkt das Schiff nicht in den Schlick, wir hätten vielleicht mächtig schräg in der Box gelegen.
Konsequenz: Rechtzeitig raus. Andrea bekam meine Gedanken schnell mit, denn ich wurde unruhig. Dann unser gemeinsamer, spontaner Entschluss: Jetzt weg. Wir hatten gerade Stillwasser um 1:30 Uhr in der Nacht.
Zuvor hatten wir im Burkana-Hafen in der Nähe von Thomas Box eine freie Box gesehen, die aber ein abschrenkendes Parkverbotsschild trug, welches offenbar auch gewirkt hatte. Die Box war leer, auch mitten in der Nacht noch. Auf der Fahrt in den anderen Hafen waren unsere Akkus in die Abschaltung gegangen. Wir also unbeleuchtet und ohne Instrumente die gut 100 m vom Port Henry zum Burkana zurückgelegt. Alle Mann an Deck, mit Headlight und / oder Taschenlampe bewaffnet. Emil leuchtete uns in die freie Box, denn Not kennt kein Gebot, die Box und noch wichtiger, der Stromanschluss, war unser. Zack, die Lichter auf der Meta gingen wieder an.
Die Überarbeitung der Elektroinstallation auf unserem Schiff war schon auf der To-Do-Liste, nun ist sie höher priorisiert.

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