| Schiff | SY Meta |
| Reise | Auszeit: Die große Ostseereise 2026 |
| Start | Omö · 2026-06-02T07:27:23.804Z Uhr |
| Ziel | Kaerbaeksminde · 2026-06-02T14:16:35.546Z Uhr |
| Datum | 06/02/2026 |
| Strecke | 23.25 sm |
| Crew | Jörg Schubert (Skipper), Andrea Schubert (Crew) |
Feinstes Segeln
Morgens auf Omö: Andrea stellte fest, dass unser Vorrat an Aufbackbrötchen zur Neige ging und wir Backwaren benötigten. Nun ist es auf dieser Insel nicht so, dass man mal eben aus dem Hafen geht und schon einen bestens sortierten Supermarkt erreicht. Nein, nein gar nicht. Omö ist eher wie die bekannte insel mit zwei Bergen, nur ohne Berge und ohne Eisenbahn. Einen klassischen Ortskern gibt es nicht, sondern eher eine lockere Ansammlung von Häusern, mehrere davon ca. 1,5 km vom Hafen entfernt und eines der Häuser ist der örtliche Einkaufsladen.
Was bereits am Hafen auffällt ist, dass der Laden Probleme mit der wirtschaftlichen Standfestigkeit hat. Es wird dafür geworben, doch mal den örtlichen Kaufmannsladen aufzusuchen und dort auch zu kaufen, damit er erhalten bleibt. Ein wenig ungewöhnlich, aber angesichts der buchstäbllichen Insellage von Omö sicher kein unverständliches Anliegen. Auch in bestens organisierten Inselhaushalten könnte ja die Situation eintreten, dass man schnell mal ein Lebensmittel benötigt und dann nicht zum Einkauf 40 Minuten bis an’s Festland und wieder zurück mit der Fähre fahren will. Dann ist so ein Laden denkbar praktisch.
Die zweite Besonderheit hängt wahrscheinlich ein wenig mit der ersten zusammen: Der Laden ist als 24/7-Selbstbedienungsladen umgesetzt, das heißt der Kunde bedient sich selbst und kassiert auch selbst – ohne Personal. Um in den Laden zu kommen, muss man eine Smartphone-App installieren, die mittels RFID das Türschloss öffnet. Dazu muss man sich in der App mit Reisepass oder Ausweis registrieren und ein paar Daten ergänzen. Klappt eigentlich ganz gut. Dennoch kommt auch dieser Kaufmannsladen nicht völlig ohne Personal aus, was auch gut so ist – die Waren gleiten auch nach dieser Prozessoptimierung nicht von allein in die Auslagen und Regale.
Wir hatten Glück, es war jemand da. Das Brot, dass wir kaufen wollten, hatte keinen Barcode, man musste den Artikel in der Kassensoftware aus einem Verzeichnis suchen. Dumm nur, wenn man so absoulut keine Ahnung hat, was “Mehrkornbrot” auf dänisch heißt und ob das Brot denn wirklich unter “Mehrkornbrot auf dänisch” zu finden wäre. Die anwesende Dame konnte helfen!
Einen Vorteil hatte die morgendliche Einkaufstour: Wir konnten etwas mehr von der Insel sehen als nur den Hafen. Wunderschön!
Gegen 10:00 Uhr ging’s weiter. Bei Sonnenschein und einem zunächst noch eher schwachen Wind von 3 Beaufort, der sich aber im Laufe des Tages gut entwickelte, ging es raus aus dem Hafen auf die Ostsee in Richtung des Ortes Karrebaeksminde (ich hoffe, es einigermaßen richtig geschrieben zu haben). Wind aus Süd-Südost und ein Kurs Richtung Ost-Nord-Ost bedeutete aber “am Wind”, teils auch “hart am Wind”.
Hier ein paar Impressionen von der Insel Omö:

















Dabei muss man sich klar machen: Ein Segelboot kann nicht gegen den Wind segeln. Eine Segelyacht benötigt aber auch nicht immer Wind von hinten. Seitenwind – also “halber Wind” ist sehr ok. “Am Wind” bedeutet, dass der Wind von schräg vorn einfällt – je spitzer der Winkel, desto härter am Wind. Ein solcher Kurs fühlt sich schnell an, denn es addieren sich die tatsächliche Windgeschwindigkeit und der eigene Fahrwind teilweise. Der resultierende, scheinbare Wind ist derjenige, den man an Bord spürt und dieser Wind fühlt sich schneller an als bei einem Vor-Wind-Kurs, also bei Rückenwind. Und das Gefühl trügt auch nicht völlig: Mit oftmals über 6 Knoten – also so um 11 Stundenkilometer – ging es gen Karrebaeksminde. Herrliche Rauschefahrt!
Kleiner Einschub für die Nicht-Segler unter den Followern dieses Blogs: 11 Stundenkilometer, das klingt vielleicht “schnarchig” und elend langsam und langweilig. Immerhin ist man zu Fuß auch nicht viel langsamer. Aber der Kontext macht den Unterschied: Die Dynamik eines Schiffes ist nicht nur auf den Vortrieb begrenzt. Windkraft, Krängung, Wellen – alles sehr dynamische Einflussfaktoren, die auf das Erlebnis einzahlen. Auch im wildesten Sturm würde unser Schiff nie dauerhaft schneller als ca. 7,8 Knoten (theoretische Rumpfgeschwindigkeit) sein können – aber ich kann versprechen, langweilig ist das ganz sicher nicht.
Gegen Nachmittag frischte der Wind ziemlich auf, teilweise auf mehr als 20 Knoten (wahrer WInd). Ein Reff im Großsegel hielt das Schiff gut beherrschbar. Beim reffen wird die Segelfläche verkleinert, was die Anfälligkeit gegen Windböen und die Krängung (Schräglage) des Schiffes vermindert. Tendenziell neigen Segelboote dazu, bei einfallenden Windböen mit der Nase in den Wind zu drehen – man nennt dieses Verhalten Luv-Gierigkeit. Durch Gegenruder kann man dieses Verhalten zwar in begrenztem Maße kontrollieren, aber bei stärker werdendem Wind ist immer mehr Rudereinsatz notwendig, was die Fahrt verlangsamt und – durch die hohe Schräglage – unkomfortabel macht.
Irgendwann am Nachmittag kamen wir dann in der Söfronten Marina an. Ein nicht sehr großer, neuer, privater Hafen, der leider nur sehr wenig Windschutz bietet und relativ teuer ist. Der Liegeplatz wird nach Schiffsbreite bezahlt, was auch etwas ungewöhnlich ist. Damit man ein breiteres Schiff nicht in eine eigentlich zu schmale Box drücken kann, sind die Poller (das sind im Wasser stehende Pfähle, an denen üblicherweise das Heck des Schiffes festgemacht wird) sehr massiv ausgelegt. Die erste Box sollte 3,43 Meter breit sein. Unsere Meta ist 3,35 Meter breit. Hätte passen sollen, tat es aber nicht. Die nächste, dann 4 m breite Box, lag genau so, dass Wind, Schwell (“Wellen”) und ein windinduzierter Strom genau auf’s Heck standen. Wir mussten uns also in die Box bremsen und hatten ein permanentes Gluckern der anschlagenden Wellen. Das ganze für gut 35 EUR die Nacht, also kein Hafentag in Karrebaeksminde…
Der Ort in Hafennähe ist geprägt von neu erbauten Feriendomizilen, teils mehrgeschossige Gebäude, teils kleinere Ferienhäuschen. Im Gegensatz zu Omö wirkt hier alles ein wenig uniform und steril. Mag sein, dass der eigentliche Ortskern hübscher ist, die Marina jedenfalls verströmt kein gemütliches Flair.
Bilder aus Karrebaeksminde:






Entdecke mehr von Meta Sailor
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

No responses yet