Von dem Plan, dieses Jahr am “Kustzeilers: De 24 uurs zeilrace” teilzunehmen, hatte ich bereits berichtet. Nun ja, am Freitag war es dann so weit.
Um 18:30 Uhr ging es los. Die gemeinsam abgestimmte Strategie war es, auf dem Markermeer zu starten, die Nacht dort zu verbringen und dann am nächsten Morgen auf das Ijsselmeer zu verholen, um dort dann am Samstag weitere Meilen zu sammeln.
Der Wind wehte recht kräftig mit 5-6 Bft. und es sah doch immer wieder nach Regen aus. Vielleicht waren das die Gründe, warum wir am Krabbersgat Naviduct recht allein auf den Start warteten. Erst ganz kurz bevor es losging sahen wir den Starter an Land und ein weiteres Boot, dass eine Startnummer trug. Das Rennen sollte also doch stattfinden, wir hatten keine Absage verpasst…. es kamen schon leise Zweifel auf, angesichts des fehlenden Andrangs.
Nun, vielleicht war ein weiterer Grund, dass der Wind aus Süd wehte und daher schon am Start ein Kreuzschlag erforderlich war. Diesen hatten wir aber bereits am Nachmittag trainiert, ein kurzer Schlag reichte, um gleich darauf den ersten “Raken” in Angriff nehmen zu können. Die Raken sind vordefinierte Wegstrecken, an deren Anfang und Ende Seezeichen – meistens Sport-Bojen – liegen, die dann gerundet werden mussten. Den Weg konnte man anhand dieser Strecken – also Raken – selbst bestimmen, aber jede Rake darf maximal zweimal abgefahren werden.
Unsere Kurse kann man der unten eingefügten Karte entnehmen.

Leider fand in der Nacht der erwartete Winddreher in Richtung Südost doch nicht statt, sodass wir so gut es ging, Kurse in Ost-West-Richtung fuhren, um nicht zu oft kreuzen zu müssen. Ein wenig Nervenkitzel war immer dabei, denn das Markermeer hat aufgrund seines starken Wasserpflanzenwachstums in den vergangenen Jahren einen sehr zweifelhaften Ruf erlangt. Doch in 2025 hielt sich der Bewuchs in Grenzen, wir kamen ohne Probleme durch und auch schleppten auch keine Tonnen von Gemüse mit uns rum…
Spannend für mich war, die Nachfahrt zu erleben. So ganz oft habe ich das noch nicht gemacht und es ging besser als erwartet. Ein riesiger Vorteil war, dass das Reglement eine Drei-Farben-Leuchte im Masttop vorsah. Die Teilnehmer des Zeilrace waren dadurch sehr gut zu erkennen und andere Wasserfahrzeuge waren in der Nacht ohnehin kaum unterwegs.
Wir haben ca. 60 sm im Markermeer abgespult, meistens auf der Kante.
Am Samstag Vormittag ging es dann auf das Ijsselmeer. Der Wind hatte inzwischen auf West gedreht, weshalb nun alle Raken in Nord-Süd-Ausrichtung beliebt waren, nicht nur bei uns. Es herrschte eine Menge Gedränge, vor allem an den Wendebojen.
Manche unserer “Konkurrenten” nahmen die Sache wohl etwas sehr ernst. Dabei kommt es nicht auf die Zeit, sondern nur auf die zurückgelegten Meilen in den gesammelten Raken an. Da auch sehr stark reglementiert ist, ab wann und bis zu welcher Zeit man in den Zielhafen Medemblik einlaufen durfte, ohne Strafen oder die Disqualifikation zu riskieren, bringt übertriebene Eile nicht wirklich viel. Was nutzt ein weiterer Raken, wenn man anschließend zu spät in den Hafen kommt?
Wir waren jedenfalls sehr zufrieden mit unseren gut 115 sm, die mit rund 87 sm in die Wertung gingen. Hintergrund: Um unterschiedliche Bootslängen auszugleichen, werden die Distanzen gewichtet, um den Nachteil kleinerer Boote auszugleichen.
Die Gesamtwertung findet sich auf der Seite des 24uurs Zeilrace. Unser Schiff war die “Four Broses”, die am Ende auf Rang 48 in der Wertung stand. Für uns eine gute Platzierung, denn die Bavaria 32 ist dann doch eher ein bequemes Reiseschiff und keine Rennziege.
Hier noch einige Impressionen. Leider sind Bilder in der Nacht ziemlich sinnlos, außer dunkel sieht man nicht viel…



















Einige Erkenntnisse habe ich gewonnen:
Es war super anstrengend – 24 Stunden ohne Schlaf auf einem Segelboot bei ordentlich Wind und einigem Seegang sind nicht vergügungssteuerpflichtig. Immer wieder reffen, ausreffen, dichtholen, fieren, wenden, halsen. Die kurzen Schläge ließen nur wenig Zeit für entspanntes genießen, aber genauso wenig zum sich müde fühlen.
Es hat Spaß gemacht – trotz aller Anstrengungen war es eine tolle Erfahrung und unsere Crew war einfach ‘ne Wucht: Danke an Magnus, Michael und Martin für die Gelegenheit, dabei zu sein!
Ich habe viel gelernt – als Freizeitskipper fährt man meist doch eher vergnügensoptimiert: keine wilden Winde, nicht zu raue Bedingungen, keine Nachtfahrten, moderate Krängung und möglichst wenig Regen. Bei einer solchen Veranstaltung muss man mit den See- und Wetterbedingungen umgehen. Wenn man schnell sein will, darf man auch nicht zu zimperlich sein: Reffen nur um das Schiff wieder beherrschbar zu machen, Schräglage ist nicht schlimm, den “Sonnenschuss” gilt es zu vermeiden. Seegang gehört dazu und ist auf “der hohen Kante” durchaus erträglich. Die Nachtfahrt ist nicht einfach, aber machbar.
Ach übrigens: Auch wenn ringsum Schauer und Gewitter niedergingen, wir hatten Glück. Außer ein paar wenigen Tröpfchen blieben wir von Regen verschont. Die Gewitter und das Wetterleuchten waren aber deutlich sichtbar in der Nacht. Einfach schön anzusehen, schaurig schön…
Beeindruckend war der Empfang in Medemblik: Die Kade am Kanal war voller Zuschauer, die allesamt applaudierten und jeden ankommenden Teilnehmer abfeierten. Ein tolles Gefühl nach 24 schlaflosen und anstrengenden Stunden.
Und segeln ist doch Sport: Erstmals hatte ich tatsächlich Muskelkater vom Winschen und vom Dichtholen.
Die Bavaria 32 kann mehr, als ich ihr zugetraut hatte – 24 Stunden meistens richtig auf der Kante, rumpelige See, alles kein Problem. Nach den ersten beiden Wenden hatte sich auch die Frage nach den nicht ordentlich gestauten Gegenständen erledigt, sie lagen dann im Salon.
Hier noch ein paar Bilder von der Ankunft und vom Sonntag:



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