⛵ Törn-Daten
SchiffSY Meta
ReiseAuszeit: Die große Ostseereise 2026
StartStubbeköbing  ·  2026-07-12T06:59:26.795Z Uhr
ZielVejrö  ·  2026-07-12T14:43:01.249Z Uhr
Datum07/12/2026
Strecke29.7 sm
CrewJörg Schubert (Skipper), Andrea Schubert (Crew)

Hochzeitstag im Vogelparadies

Gestern sollte es ja von Stubbeköbing zur Insel Femö im Smålandsfahrwasser weitergehen. Ging es auch, im Prinzip. Nur halt nicht zur Insel Femö. Aber der Reihe nach…

Zunächst hatten wir morgens noch genug damit zu tun, unsere Meta wieder frei zu bekommen. In Stubbeköbing legt man in Boxen an. Üblicherweise sieht das so aus, dass im Wasser, so in einigem Abstand zum Heck des Schiffes, sogenannte Pallen stehen. Die Dinger kann man sich vorstellen wie Telefonmasten ohne Kabel oder besonders dicke Zaunpfähle. Diese Pallen sind in den Boden gerammt und man kann das Schiff darn mit Festmacherleinen anbinden. So weit die Theorie.

Unsere Box in Stubbeköbing hatte nur an Backbord einen Pallen, danach gabe es einen mittleren Liegeplatz ganz ohne Pallen und dann einene weiteren Liegeplatz mit einem Pallen an Steuerbord. Der Skipper in der Mitte hat also Pech, er muss sich an den Schiffen links und rechts von ihm festmachen, wenn er sicher liegen will. In dieser Position lag eine Najad 391 mit Heimathafen Würzburg – also tiefes Bayern – mit einer sehr netten Crew. Naja, dieses Schiff musste erstmal weg, bevor wir losfahren konnten. Glücklicherweise war Thomas mal wieder früh dran und wir schickten ihn auf die Reise, so dass seine Box frei wurde, welche dann die Najad nutzen konnte. Wir fuhren so 30 bis 45 Minuten später als Thomas los.

Leider blies mal wieder der Wind aus der falschen Richtung, er kam aus West und genau dort wollten wir hin. Am Anfang der Strecke war das kein Problem, denn da war ohnehin Motorfahrt angesagt. Der schmale Sund, an dem Stubbeköbing liegt, vereinigt sich vor Vordingborg mit zwei weiteren Sunden und erst nach den Brücken bei Vordingborg war dann das Thema Segeln wieder relevant. Es ist übrigens immer wieder spannend mit einem Segelboot unter einer Brücke herzufahren – es sieht immer so aus, als ob der Mast auf gar keinen Fall darunter her passen könnte. Ging aber gut :-).

Nach den Brücken wird der Seeraum dann sehr breit und auch tief genug, um ein wenig gegen den – übrigens überraschend kräftigen – Wind anzukreuzen. Haben wir dann auch gemacht und es waren einige schöne Kreuzschläge. Allerdings wollten wir auch irgendwann ankommen und kreuzen führt nur äußerst langsam zum Ziel. Wir hatten die Befürchtung, dass der Hafen auf Femö sehr voll werden könnte. Um einen Platz zu bekommen, sollten wir nicht zu spät dort einlaufen.

Tja, das hat nicht geklappt: Thomas hatte ja einigen Vorsprung und er hatte den Dieselwind gegenan genutzt und auf die Kreuz verzichtet. Er war dann bereits auf Femö angekommen und rief an, dass wir einen anderen Hafen anlaufen sollten, weil er bereits im Päckchen läge und bis wir dort wären, sicher kein Platz mehr zu kriegen sei.

Nun gut, was nun? Wir hatten nicht die Erwartung, dass ein anderer Inselhafen in der Nähe nennenswert weniger voll sein könnte als Femö. Und so ganz furchtbar viele Häfen sind da auch gar nicht. Auf weitere 30 Seemeilen bis zur Insel Langeland hatten wir dann auch keine große Lust mehr, zumal dort auch volle Häfen zu erwarten wären. Eine Alternative gab’s aber: In etwa 7 sm Entfernung zu Femö gibt es eine kleine Insel namens Vejrö. Es ist eine private Insel, auf der ökologischer Landbau betrieben wird. Sie hat einen einigermaßen großen Hafen, der allerdings deutlich teurer als viele der umliegenden Häfen ist. Ein Anruf war hilfreich: Der überaus freundliche und prima deutsch sprechende Hafenmeister teilte mit, dass wir herzlich willkommen seien und noch ausreichend Liegeplätze vorhanden wären. Wir also dort hin und es stimmte, wir liegen hier prima.

Zum Konzept des Hafens gehört es, dass das gesamte Angebot hochwertiger und ökologischer ist, als in den meisten anderen Häfen. So gibt es im örtlichen Inselbistro nur Speisen zu kaufen, die in der örtlichen Landwirtschaft produziert wurden. Das führt dann dazu, dass eine Pizza etwas über 20 EUR kostet, aber der Schinken darauf stammte von einst glücklichen Schweinen.

An anderer Stelle äußerte sich die Wertigkeit des Serviceangebots noch augenfälliger: Die Sanitäranlagen auf Vejrö sind wirklich Outstanding. Alles neu, sehr sauber und intim. Ja, ich muss dieses Thema mal ansprechen, auch wenn es vielleicht etwas anrüchig wirkt. Auf unserem Boot haben wir einen Toilettenraum, allerdings keine Dusche. Es gibt eine Außendusche auf der Badeplattform, aber die ist keine echte Alternative zu einer echten Dusche, denn sie hat nur Kaltwasser und man steht halt im Freien. Kurzum: wie die allermeisten Segler sind auch wir auf entsprechende Sanitärräume in den Häfen angewiesen.

Nun sind wir in dieser Hinsicht in den Niederlanden echt verwöhnt. Dort hat eigentlich jeder von uns besuchte Hafen ganz hervorragende Sanitärausstattungen, manche sogar richtig noble Karamikabteilungen. Hier im Norden ist das Angebot flächendeckend in Richtung geht so oder geht eigentlich gar nicht verschoben. Ganz oft gibt es Gemeinschaftsduschen wie im Hallenbad. Ok, ungewöhnlich, kann man aber mit leben. Ebenfalls oft anzutreffen ist der gemeine Duschvorhang, der in den Niederlanden absolut ausgestorben ist. Hier lebt er in vielen Häfen weiter und wie er lebt, das will man nicht sehen. Duschvorhang: never touch it and never let it touch you!

Der sündhaft teure Hafen auf Vejrö (46 EUR pro Nacht für unser 10 m-Schiff) hat Einzelduschkabinen und davon auch genug – ohne Duschvorhang. Nur zur Einordnung: In Stubbeköbing waren die Duschen auch ok und der Liegeplatz kostete 40,- EUR ja Nacht. Mir scheint, als ob die Betreiber die Hauptsaison für kernige Preisaufschläge nutzen. Da alle Häfen bisher per Kassenautomat bezahlt wurden, dürften saisonale Preisänderungen kein größerer Aufwand sein.

Ganz Paradies ist es hier dann aber doch nicht. Der Hafen muss gut sein, tausende Möwen können sich nicht irren. Der Hafen wird gen Osten von einem Steinwall halbkreisförmig begrenzt und diesen Wall haben sich Heerscharen von Möwen als Heimat ausgesucht. Für den Hafen nutzer heißt das: leicht strenger Duft bei der passenden Windrichtung und Möwengeschrei ab 3 Uhr morgens. Ich bin um 4:20 Uhr aufgestanden, um diesen Beitrag hier zu verfassen. Die Schreihälse hatten mich geweckt.

Ach ja, etwas sehr wichtiges steht am heutigen 13.07.2026 noch an: Andrea und ich begehen unseren 36. Hochzeitstag! Und weil ich weiß, dass Du den aktuellen Blogbeitrag schon meist vor dem Aufstehen liest, auf diesem Wege alles liebe zum Hochzeitstag – ich habe dich noch immer lieb!


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2 Responses

  1. Hallo Ihr “Beiden”… einen wunderschönen Hochzeitstag wünschen wir Euch und werden dann später ein Gläschen auf Euch trinken. Bis dann und immer “eine Handbreit Wasser unterm Kiel”.
    Jutta und Ullrich

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