⛵ Törn-Daten
Schiff SY Meta
Reise Auszeit: Die große Ostseereise 2026
Start SVC Cuxhaven  ·  2026-05-24T11:57:47.433Z Uhr
Ziel Brunsbüttel  ·  2026-05-25T06:17:01.528Z Uhr
Datum 05/24/2026
Strecke 15.68 sm
Crew Jörg Schubert (Skipper), Andrea Schubert (Crew)

Elbfahrt

Nun stand sie also bevor, die vom Skipper mit gemischten Gefühlen herbeigefürchtete Tour: Raus aus dem sicheren Hafen in Cuxhaven und hinaus auf die Elbe, die in der Befürchtungswelt des Skippers mit hunderten riesiger Seeschiffe gespickt heraufziehende Angst um Leib und Leben und Hab und Gut verhieß. Nun ja, so schlimm war es nicht.

Eigentlich eher harmlos. Mag sein, dass es am Feiertag lag, mag sein, dass es Zufall war. Jedenfalls begegneten uns einige Schiffe der mittleren Größe. Der Strom ist breit genug, man kann sich aus dem Weg gehen. Einzig die Bugwellen in Verbindung mit dem hefitgen Rückenwind sorgten für ordentlich Schaukelei.

Das war knapp…

Als wir Brunsbüttel erreichten, stand wieder ein sehr ordentlicher Tiedenstrom an. Gut 3 Kts. drückten unsere Meta die Elbe hinauf und beinahe an der Einfahrt zur Schleuse vorbei. Nun, nicht nur beinahe eigentlich. Wir sind so ca. 100 m versetzt worden, der Weg in Richtung Schleuse führte also gegen die Strömung. Der Schleusenwärter fragte bereits per Funk an, ob ich es schaffen würde, denn ein kleineres Motorschiff wollte auch in die Einfahrt zum Schleusenvorbecken. Der Skipper sagte an “Sind ja nur 100 Meter” und legte den Hebel auf den Tisch. Mit gut 3.800 Umdrehungen jagte der Volvo Penta unsere Meta ganz knapp vor dem Frachter in das Hafenbecken. Gut so, denn dem Frachter Vorrang zu geben hätte wahrscheinlich bedeutet, es gar nicht mehr zu schaffen.

Die Schleuse selbst war dann am Ende weniger gruselig als zunächst befürchtet. Ja, das Schleusenbecken der “kleinen Schleuse” ist riesig und die Schwimmstege sind der letzte Husten. Aber alles machbar, zumal wir mit fünf Booten – allesamt Sportboote – geschleust wurden. Keine Riesenfrachter in der Nähe, nur im anderen Schleusenbecken. Also insgesamt nicht schlimmer als im “heimischen” Stavoren. Und dann gleich scharf links und ab in den Hafen in Brunsbüttel, wobei Hafen eigentlich falsch ist: Es ist eine offizielle Schiffsliegestellt – ja, deutsche Behörden haben für alles wichtig klingende Namen. Vorteil: keine Liegegebühren. Nachteil: kaum nutzbare Infrastruktur.

Aber das Restaurant nebenan ist sehr ok: Gutes Essen, im wilden Stilmix – vorherrschend deutsch und italienisch. Man sitzt gut auf der Außenterrasse und die Kellnerinnen waren nach kurzer Aufwärmphase sehr aufmerksam und freundlich.

Und dann war da noch das Hafenkino

Es fing an mit einem einzelnen, donnernden Hupen eines ausfahrenden Schiffes der größeren Sorte. Man muss wissen: Die Schiffsliegestelle liegt direkt an der Schleuse. Direkt heißt dabei so max. 3 m. Fährt man aus der kleinen Schleuse aus, muss man nach Backbord gehen und dann vor den Ausfahrten der weiteren, durchaus deutlich größeren Schleusen entlang in Richtung Hafen abbiegen. Kein Ding, wenn die Schleusentore zu sind, was sie bei uns waren. Ist wohl aber nicht immer so, was das lauten Hupen bewies. Und es sollte schlimmer kommen.

Wohlgemerkt: Wir saßen auf der Terrasse des Restaurants und konnten nicht wirklich etwas davon sehen. Der ausfahrende Riesenfrachter versperrte jede Sicht. Aber natürlich war die Story Hafenthema number one danach: Es müssen wohl zwei Schiffe versucht haben, in den Hafen zu fahren. Eines, dem das erste Hupen galt, stoppte sofort auf und ließ den Riesen passieren. Der andere reagierte forscher und legte den Gashebel auf dem Tisch.

Nicht die beste Idee, der Riese hupte wie wild und nach Aussage von Augenzeugen entkam der beherzte Gasgeber der Knubbelnase des Frachters am Bug nur um wenige Meter. Dies führte dann dazu, dass dieser soeben Entronnene mit kernigem Tempoüberschuss im satten Powerslide in die Hafeneinfahrt driftete und dort – vermutlich Adrenalin übersättigt von der Nahtod-Erfahrung – noch ein paar viel zu schnelle Kreise im Hafenbecken drehte.

Naja, das ging nicht gut: Er verhaspelte sich mit seinem Anker in der Bugspitze einer Hallberg-Rassy, die unmittelbar neben Thomas und uns lag. Ein paar andere Boote wurden angeblich auch noch involviert, aber da gehen die Gerüchte auseinander.

Jedenfalls stellte der Eigner der Rassy den Verursacher zur Rede. Dieser zeigte jedoch wenig Einsicht, sondern argumentierte, dass der Kratzer im Holz der Fußreling ja schon gewesen sein müsse – allerdings ohne den total verbogenen Ankereinlauf der Rassy auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Naja, es führte am Ende dazu, dass die Wasserschutzpolizei gerufen und der Unfallhergang von offizieller Seite festgestellt wurde.

Übrigens: Von dieser Aktion am späten Abend einmal abgesehen, war der Aufenthalt in der “Schiffsliegestelle” einfach großartig. Wir lagen “römisch-katholisch” (also mit dem Heck zum Ufer) an der Kade direkt am Schleusentor. Die Nachbar-Crews versammelten sich auf den dort befindlichen Steintreppen und ein feucht-fröhlicher, lauer Pfingstsonntag-Abend nahm seinen Lauf. Viel Klönschnack, noch mehr Rotwein… ein echt lustiger Abend mit sehr netten Leuten. Irgendwann so gegen Mitternacht ging es dann in die Koje und am Pfingstmontag früh wieder raus. Es sollte ja in Richtung Rendsburg gehen, aber das ist eine andere Geschichte.


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