Wie bereits mehrfach vorsichtig angedeutet, werden wir in Kürze unseren bislang längsten Tripp ever angehen: Unsere Urlaubsreise 2026 dauert drei Monate und soll uns nach Dänemark und Schweden führen.

Man glaubt nicht, was es alles zu planen und vorzubereiten gilt. Das Schiff wird so langsam fit für die Reise, die größten Baustellen sind erledigt: Hier vor allem die Anzeige von AIS-Daten auf dem Plotter. Es gab ein Problem mit dem NMEA2000 Bus, der anscheinend nicht korrekt terminiert war. Nun läuft’s und auch die NMEA183-Winddaten werden fein auf dem Plotter angezeigt.

Eine weiter große Baustelle war die erforderliche Ankerwinsch, die aber schon im letzten Blogbeitrag ausreichend vorgestellt wurde.

Auch nicht unwichtig in den Schären ist ein passendes Beiboot. Nachdem unsere alte “Mini-Meta”, ein 2,30 m Tenderboot in Friesland-Farben von Hibo, bereits ein paar Teile von sich geschmissen hatte und sie auch insgesamt aufgrund des Holzbodens eher schwer zu handhaben war, haben wir sie durch ein neues Beiboot ersetzt. Ebenfalls 2,3 m lang, diesmal von Seatec – einer SVB-Marke. Der luftgefüllte Prallboden macht es deutlich leichter, was aber auch seine Nachteile hat. Doch dazu später.

Einen Motor hatten wir: Ein 4-PS-Mercury mit Getriebe und Wasserkühlung. Nach einer kleinen Inspektion mit Öl-, Kerzen- und Impellerwechsel lief das gute Stück trotz jahrelanger Pause auch wieder. Aber so ganz zufrieden waren wir noch nicht: Dem Skipper war noch immer die Schrecksekunde im Gedächtnis, als er im Nationalpark “De Oude Faenen (Prinsenhof)” den Motor am Beiboot einhängen wollte, er das Gleichgewicht verlor und voll bekleidet mit dem Außenborder im Arm im Bach landete. Einfach zum Schreien komisch, mittlerweile kann er selbst drüber lachen.

Glück im Ungeschick: Noch im Fallen gelang es ihm, den Außenborder fachgerecht am Heckspiegel des Schlauchbootes einzuhängen, so dass der Motor trocken blieb und auch kein Umweltproblem im Nationalpark entstand. Nur der Skipper war pudelnass…

Also gut, das sollte sich nicht wiederholen. Also musste ein Kran für den Jockel her. Leider ist der nur echt schwer an der Bavaria anzubringen. Und zu allem Überfluss fehlte beim gelieferten Kran genau ein Teil: Der Ring, der den Kran an der Reling senkrecht hält. Leider kann sowas nicht mal eben nachgeliefert werden, sondern Umtausch und Neulieferung wären angesagt. Das passte nur zeitlich nicht mehr. Also wieder ohne Kran…

Allerdings zeigte sich auch, dass der Mini-Heckkorb der Bavaria aus dieser Baureihe nicht gerade ideal ist, um schwerere Lasten daran anzubringen. Zu klein und zu wackelig, dazu gefühlt nur Kurve. Der doch recht schwere Mercury brachte die Reling schon beim dran wackeln ordentlich in Schwingung, was passiert dann erst bei Seegang? Der hört nicht einfach auf zu wackeln, wenn man freundlich darum bittet…

Die Lösung ist: Ein gut gebrauchter Honda 2.3 Motor. Luftgekühlt, ohne Getriebe, dafür anscheinend mit einer Art Fliehkraftkupplung, die ein einfacheres Handling verspricht, als das Schaltgetriebe des Mercury. Dazu ist das gute Stück beinahe nur halb so schwer, was den “Kranverzicht” buchstäblich tragbarer macht.

Naja, wie versprochen noch ein Satz zum neuen Boot: Der Mercury mit seinem recht hohen Gewicht ließ das Tenderboot schon im Stand schnell aussehen. Der Bug, gehoben und in bester Gleitfahrt-Pose, aber leider auch mit den etwas fragwürdigen Fahreigenschaften eines Bootes mit glattem Rumpf. Richtungsstabilität geht anders und der Motor neckte durch schwankendes Standgas.

Beides zusammen führte zu echten Herausforderungen, was am Ende in einer leicht verstauchten Hand der Co-Skipperin von einem unsanften Anlegemanöver am Steg mündete. Wir hoffen sehr darauf, dass die einfachere Handhabung durch die “Variomatik” des Honda-Triebwerks solche Stunts zukünftig verhindert.

Was noch zu tun ist:

  • Rettungsinsel befestigen
  • Motorinspektion (Öl-/Filterwechsel, Impellerwechsel etc.)

Lifeline

Ach ja, eines noch – vielleicht als Tipp für andere Skipper: Immer wieder kam die Überlegung auf, Lifelines auf dem Schiff zu montieren. Angedacht waren zunächst die üblichen Gurtbänder, die vom Bug zum Heck auf dem Laufgang gespannt sind, bis dann ein Youtube-Video etwas anderes empfahl.

Der Youtube-Kanal “Swalins Reisen” stellt ein sehr einfach zu installierendes Leinensystem vor, das am Mast über der ersten Saling installiert wird und dafür sorgt, dass die Sicherungsleine immer von oben kommt. Hier das entsprechende Video: https://www.youtube.com/watch?v=L-1iy7pgVyg.

Aus meiner Sicht wirken die Argumente stichhaltig:

  • eine am Boden verlegte Leine kann eine Stolperfalle sein
  • sie ist der Wasserlinie deutlich näher als die Saling, soll heißen, sie kann das “Über-Bord-gehen” vermutlich kaum verhindern, sondern lediglich eine feste Verbindung zwischen Person und Schiff schaffen
  • eine Leine von oben dagegen arbeitet auf Zug
  • sie bietet eine Möglichkeit zum festhalten, wenn man stürzt und kann so u. U. das “Über-Bord-gehen” tatsächlich verhindern
  • sie ist ein “Kletterseil”, das der “Über-Bord-gegangene” zum aufentern nutzen kann

Wir haben nun eine solche Leine installiert und auch die beiden vorgeschlagenen Einhand-Karabiner angebracht. Wir hoffen zwar, das System nicht austesten zu müssen, aber ein gewisses Grundvertrauen besteht schon.


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