Nein, ein Winterblues hat sich noch nicht eingestellt. Es gibt einfach zu viel zu tun und zu planen. Ein neues Projekt habe ich auch begonnen und ich bin begeistert!

Worum geht es?

Beruflich habe ich als Experte für Digitalprozesse inzwischen täglich mit künstlicher Intelligenz – KI oder AI – zu tun. Mein Arbeitgeber ist hier sehr engagiert unterwegs and so am I…

Nachdem ich schon diverserlei Versuche unternommen hatte, mithilfe einer KI zu einer fertigen Desktop-App zu kommen, was immer in sehr frustrierenden Ergebnissen endete, habe ich nun einen neuen Anlauf gewagt. Mein Kandidat heißt “Claude”. Nein, kein elektrisch gepimpter französischer Bits- and Bytes-Schubser, sondern ein sehr leistungsfähiges KI-Sprachmodell. Google Gemini definiert Claude so: “Claude ist ein von dem US-Forschungsunternehmen Anthropic entwickeltes, fortschrittliches KI-Sprachmodell, das speziell darauf ausgelegt ist, als hilfreicher, harmloser und ehrlicher Assistent zu agieren.”

Und Claude kann programmieren, d.h. er (oder sie?) ist sogar viel mehr: Softwarearchitekt, Geschäftsprozessexperte, Systemberater, Coder….

Mein Job für Claude war: Bau mir eine Logbuchanwendung.

Ja…, könnte man einwenden, sowas gibt es schon, völlig analog, auf Papier oder sogar schon als App auf PC oder gar Tablet und Smartphone. Alles richtig!

Aber für mich gab es genug Gründe, dennoch eine solche Anwendung in Auftrag zu geben:

  • auf der Meta werkelt ein Bord-PC, dessen Betriebssystem Linux Xubuntu ist. Für Linux gibt es aktuell keine aus meiner Sicht brauchbare Desktop-App für den PC.
  • die Apps auf den Tablet / Smartphone sind auch nicht wirklich häufig und oft entweder teuer oder sehr technisch getrieben. Da läuft das Handy die ganze Zeit mit (und wird dabei leer “genuckelt”) und am Ende kommt eine Liste von Waypoints dabei raus. Ja, auch wichtig, aber als Blogger mag man halt Text, der kommt mir dabei zu kurz und überhaupt, das Smartphone als Eingabeschnittstelle ist eigentlich bäh…
  • der technologische Aspekt: Hier kommt das Spielkind in mir durch. Kaufen kann jeder, das ist so einfach wie langweilig. Sich aber mit einer neuen Technologie auseinanderzusetzen, ist schon ein ziemlicher Reiz. Jedenfalls für mich…

MetaLog – das elektronische Logbuch

Claude hat sich also in einer Vielzahl von Iterationsstufen daran gemacht, diese Logbuchanwendung zu entwickeln. Die Anforderungen kamen von mir, Claude hat sie analysiert, punktuell verbessert und anschließend gecodet. Die Art und Weise, wie Claude das gemacht hat, hat mich schwer beeindruckt.

Die Anmeldeseite
Jeder Nutzer hat sein eigenes Login.

Die Arbeitsweise hat etwas von der SCRUM-Philosophie: Ich war in diesem interdisziplinären Entwicklungsteam der fachliche Anforderer und Business Analyst, Claude der Architekt und Entwickler. Ich konnte ihm bei der Arbeit “über die Schulter” sehen und es kam etwas sehr sehenswertes dabei raus:

  • eine ansprechende Desktop-Umgebung
  • umfangreiche Features wie:
    • Logbuch: gegliedert in die Entitäten Reise (das ist der Mantel), Törn (das ist eine von vielen Strecken innerhalb einer Reise) und Logeinträge (das sind die nautischen Events während eines Törns)
    • Verwaltung der Crew-Mitglieder: die Personen auf einem Törn oder Reise (hier kann abgewichen werden, weil zum Beispiel während einer Urlaubsreise die Crew sich ändert) können in verschiedenen Rollen auftauchen und erfasst werden
    • Schiffe: es können beliebig viele Schiffe verwaltet werden, aber nur ein aktives. So übersteht die Anwendung auch einen Wechsel des Schiffes. Und das Tenderboot wurde auch berücksichtigt…
    • Häfen: Informationen zu allen angelaufenen Häfen. Jeder Hafen kann per Auswahlfeld als Start- oder Zielhafen des nächsten Törns gewählt werden.
    • Wartung: Es geht immer was kaputt… Die Wartungsverwaltung erlaubt es, solche kleinen Macken zu notieren und anschließend abzuarbeiten. Gleichzeitig werden natürlich solche Wartungen auch dokumentiert, nicht ganz unwichtig beim Verkauf des Schiffes.
    • Törnbriefing: Hier kann der nächste Törn geplant werden, genauer gesagt auch mehrere. Der Clou: hat man ein Konto für Google Gemini oder ChatGPT kann man einen “API-Key” hinterlegen und dann nutzt das Planungsmodul diese Verbindung, um Informationen zum Törn zu ermitteln, wie Wetter, Gefahrenmerkmale, Besonderheiten, Touristik.
    • Protokoll: Alle Feldänderungen werden in einer Protokolldatei geführt. So ist das Logbuch vor nachträglichen “Optimierungen” geschützt, was seine Beweiskraft deutlich erhöht. Nebenbei kann man das Logbuch auch als PDF exportieren und so archivieren oder auf Papier drucken, womit wir dann wieder in der analogen Welt wären…
    • Die Nutzerverwaltung sieht unterschiedliche Berechtigungslevel vor, so kann nicht jeder an Bord einfach mal so am Logbuch editieren. Auch dies erhöht die Beweiskraft.
    • Auto-Logging: in der neuesten Iterationsstufe ist auch eine Auto-Logging-Funktionalität implementiert. Das System erkennt bei laufendem Rechner und aktiver MetaLog-Anwendung, dass sich das Schiff bewegt. Bewegt es sich schneller als 1,5 Kts. (einstellbar), dann erstellt das System bei Kursänderungen > 40° (einstellbar) einen Logbucheintrag. Ansonsten wird alle 30 Minuten (einstellbar) ein Eintrag mit Positionsangabe erstellt.

Übrigens…

Nein, ganz so einfach ist das nicht. Es mag sein, dass auch der Auftrag allein mit Claude zu irgendeinem Ergebnis führt. Aber statt nur diesen Brocken hinzuwerfen, habe ich eine sehr umfangreiche Anforderungsliste erstellt und auch schon durchaus reichhaltig beschrieben. Diese Anforderungen, bei KI-Systemen üblicherweise “Prompt” genannt, gab Claude erstmal etwas “zu kauen”.

Anders als bei Suchmaschinen kommt es bei KI nicht darauf an, möglichst den einen, alles entscheidenden Suchbegriff einzugeben, sondern Kontext. KI will Bezüge knüpfen, Sinnzusammenhänge “verstehen” (besser analysieren), damit etwas Gutes dabei rauskommen kann. Hier liegt ausnahmsweise mal nicht “in der Kürze die Würze”.

Ergänzung zum Leistungsumfang von MetaLog

Die Entwicklung steht nicht still, die Logbuchanwendung kann nun noch mehr:

  • AIS-Integration
    Neben der AIS-Anbindung werden auch die nautischen Daten wie Wind und Speed per NMEA2000-Anbindung übertragen (Adapter zum NMEA200-Netzwerk erforderlich).
  • Funk-Assistent
    Im Seenotfall hilft dieser Assistent weiter: Fertige Dialoge auf Deutsch und Englisch mit Ortsangaben, alles nach den Regeln der SRC-Dialoge.
  • Darkmode
    Ein fancy Darkmode hübscht das Benutzerinterface auf.

Wie sieht meine Ausstattung aus, auf der MetaLog läuft?

GEEKOM Air12 Lite Mini-PC

Dabei handelt es sich um einen Mini-PC mit folgenden Daten:
GEEKOM Air12 Lite Mini-PC, Intel N100 4 Kerne, max. 3,4 GHz, 8 GB RAM, 256 GB SSD, HDMI + DP Dual Screen Display, WiFi 5 Bluetooth 5.1, 4 x USB 3.2, 2 x USB 2.0, 1 x RJ45, 1 x 9-polige Erweiterungsbuchse, 1 x Kopfhörerbuchse, 1 x Mikrofonbuchse, Iceblast-Kühlsystem

Als Betriebssystem werkelt auf diesem Rechner ein Linux, genauer ein Xubuntu Linux. Xubuntu ist ein leichtgewichtiges, schnelles und benutzerfreundliches Betriebssystem, das auf dem beliebten Linux-System Ubuntu basiert.

Es ist eine offizielle Variante („Flavour“) von Ubuntu, unterscheidet sich aber in einem wesentlichen Punkt: der Benutzeroberfläche. Während das Standard-Ubuntu die moderne, aber rechenintensive Oberfläche GNOME verwendet, nutzt Xubuntu die Desktop-Umgebung Xfce.


Meine Meinung

Auch wenn dieser Rechner standardmäßig mit einer Windows 11-Lizenz ausgestattet ist, stellt Windows auf einem Boot immer ein Sicherheitsrisiko dar: Aufgrund der mittlerweile vielen Online-Bestandteile – und wenn es nur Werbung ist – ist die Zuverlässigkeit eher zweifelhaft. Dazu kann es auch passieren, dass es Windows bei bestehender Online-Verbindung auch mal einfällt, dass genau jetzt ein Update fällig ist, was den Rechner eine ziemliche Weile beschäftigen kann. Das braucht niemand…


Das System läuft eigentlich mit 19 Volt. Durch ein USB-Kabel mit 19 V-Buchse in Verbindung mit dem passenden USB-Hub wird die USB-Spannung von 5 V auf die benötigten 19 V gebracht, so dass für den Betrieb kein Landstrom notwendig ist. Ein WLAN Router mit 5G SIM-Karte sorgt in Küstennähe zudem für eine stabile Onlineverbindung, ebenfalls unabhängig vom Landstrom. Das ganze System läuft erstaunlich schnell und stabil, wenn man auf Ballerspiele verzichten kann…

Jetzt kann man natürlich fragen, wozu man an Bord eine solche Technikausstattung benötigt. Dazu nur ein kurzer Hinweis: Das Ding kann auch Homeoffice…


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